Gespräch mit Jörg Sicot

Gespräch mit Jörg Sicot

Gekürztes Fassung eines Interviews mit Jörg Sicot, geführt am 28. Dezember 2007.
Jörg Sicot lebt und arbeitet als Architekt in Malta und organisiert eine Ausstellung mit aktuellen Arbeiten von Axel Plöger im August/September 2008 in den Ausstellungsräumen der Staatlichen Kunstsammlung Heritage Malta.


Jörg Sicot: Was interessiert dich so am Porträt?

Axel Plöger: Gesichter und Köpfe beschäftigen mich schon seit meiner Kindheit. Unzählige Zeichnungen von Gesichtern zierten meine Schulhefte und füllten kleine Notizbücher. Während meines Studiums an der Kunsthochschule in Kassel habe ich mich dann allerdings den experimentellen Möglichkeiten der nicht-figürlichen Malerei begeistert zugewendet. Wie du weißt, war ich dann für sechs Jahre in Lima in Peru. Meine Begegnung mit der dortigen Kunstszene und auch meine Lehrtätigkeit als Dozent an der Nationalen Akademie der Schönen Künste hat wieder mein Interesse für die Darstellung der menschlichen Figur geweckt.
Das menschliche Gesicht ist das faszinierendste Gegenüber, das ich kenne. Persönlichkeit und Individualität, Gefühle und Illusionen kann ich dort entdecken, ein Spiegel unzähliger Empfindungen. Anhand des Gesichtes versuche ich Menschen zu erkennen und einzuschätzen. Unser Gesicht ist die Berührungsfläche unserer Kommunikation mit anderen und gleichzeitig schützende Oberfläche unserer eigenen Person. Das hat auch viel mit der Idee von Malerei als ermalte Oberfläche zu tun.
Ein westfälisches Sprichwort sagt: „Man kann den Leuten eben nur vor den Kopf gucken.“ Ich finde, das sagt auf einfache Weise viel aus über die Spannung zwischen dem, was wir in einem Gesicht meinen zu entdecken und der wirklichen Person, die wir nie ganz kennen lernen werden.

JS: In deinen Arbeiten fällt mir der grobe Pinselstrich auf. Warum benutzt du vorwiegend große und breite Pinsel?

AP: Ich möchte den Pinselstrich besonders spürbar machen. Die gestisch expressionistische Malweise prägt mein gesamtes malerisches Schaffen. Es gibt in meiner Arbeit keine Vorzeichnung, keine Kompositionsskizze oder so etwas. Ich beginne mit einer ungefähren Idee von dem Bild, das ich machen will und setze einzelne, fast könnte man sagen individuelle Pinselstriche auf die leere Leinwand. Und dann reagiere ich immer wieder auf das entstehende Bild. So entsteht der Kopf, das Gesicht und letztendlich auch das persönliche Charakter des Porträts aus einzelnen Pinselstrichen. Mal tropft die Farbe, mal schmiert sie. Ich muss das alles zusammen kriegen, damit das Bild lebt. Ich will diesen Prozess deutlich spürbar werden lassen, auch im fertigen Bild.

JS: Deine Bilder und gerade die Porträts sind von starken farbigen Kontrasten geprägt, wie kommt es dazu?

AP: Ich bin Expressionist, ich liebe die Möglichkeiten farbiger Kontraste. Was gibt es faszinierenderes als wenn sich rot, grün und schwarz in einem Bild begegnen, und dann auch noch innerhalb eines Gesichtes. Die naturgetreue Wiedergabe der Farbe der Haut interessiert mich dabei nicht. Als Maler muss ich mehr leisten, ich muss die  Farbwirkung steigern und neu zusammen setzen, die unmittelbare Wirkung suchen.

JS: Sehr typisch für deine Porträts ist das fast weiße Licht, mit denen du sie beleuchtest.

AP: Das weiße Licht erzeugt starke Kontraste auf dem Gesicht. Das heißt, es erzeugt abstrakte Formen und Flecken in der Oberfläche, es bricht das Gleichmäßige auf und zeigt uns das Besondere. Das Licht kann auch wie eine Maske auf dem Gesicht sitzen. Ich interessiere mich sehr für die Beleuchtungseffekte in Filmen. Licht ermöglicht uns die Dinge überhaupt sehen zu können, gleichzeitig verzerrt es sie aber auch. Jeder kennt den Effekt, wenn man mit einer Taschenlampe sein Gesicht von unten beleuchtet, es sieht zum fürchten aus. Das selbe Gesicht anders beleuchtet löst völlig verschiedene Wahrnehmungen aus. Das sind die Mittel mit denen ich in der Malerei arbeite: Licht, Farbe und Pinselstriche.
Es kommt auch vor, dass es zu viel ist, zu stark, zu weiß. Dann muss ich wieder gegen lenken, bis ich genau die Schwelle erreicht habe an der Wirklichkeit spürbar wird.

JS: Welche Bedeutung gibst du dem Raum in deinen Bildern, der die Köpfe umgibt?

AP: Der Raum entsteht erst einmal von selbst durch das Setzen einer Figur oder eines Kopfes in das Bildformat. Immer versuche ich diese Bildfläche gleichwertig wir den Kopf zu gewichten. Ich vermeide den Raum, der sich farblich nach hinten öffnet, wie wir das aus der romantischen Bildwelt kennen. Ich suche die möglichst starke Präsenz des Bildraumes und die Betonung der seiner Negativform des Kopfes.
Erst durch die vollkommene Position von Figur und Raum in der Fläche des Bildes  wird das dargestellte Wirklichkeit. Das ist eben das Wesen der Malerei und so wird sie wohl auch immer bleiben.

 
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